Prof. Dr. Ralph M. Wrobel Experte für Wirtschaft + Politik + Geschichte
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Auf den Spuren der Piasten durch Schlesien und Kleinpolen

Studienfahrt vom 31. August bis 7. September 2014 - Ein Bericht

Unter der Leitung von Prof. Dr. Ralph Wrobel und Andreas Smarzly ging auch dieses Jahr wieder eine Gruppe von Geschichtsinteressierten auf Studienfahrt nach Schlesien – und dieses Mal zuerst auch nach Kleinpolen. Ziel der vielseitigen Tour war es, auf den Spuren des polnischen und schlesischen Herrschergeschlechts, den Piasten, die Geschichte der Region zu erleben.

Renaissancefassade des Schlosses in Brieg

Die Geschichtstour begann in Wahlstatt mit einer Besichtigung der Klosterkirche. Dabei erfuhren die Teilnehmer aber nicht nur etwas über die Schlacht von Wahlstatt 1241 gegen die Mongolen, sondern erhielten auch einen Übersichtsvortrag von Prof. Wrobel, der die historischen und dynastischen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Piastenlinien verdeutlichte. Die weiteren zwei Tage war Breslau Station der Gruppe. Von hier aus wurde die Stadt erkundet und dabei z.B. das Mausoleum der breslauer Piasten in der Kirche des Ursulinenklosters besucht. Ausflüge wurden zum Kloster Leubus, einer Gründung Herzog Boleslaus des Langen, und nach Trebnitz, dem von der heiligen Hedwig gegründeten ehem. Zisterzienserinnenkloster, unternommen. Von hier aus ging es weiter auf den Spuren der letzten Piasten nach Liegnitz und Brieg, wo das Geschlecht im Jahre 1675 mit Herzog Georg Wilhelm ausstarb. In Liegnitz war es insbesondere die Gruft der letzten Piasten, welche die Reiseteilnehmer faszinierte, in Brieg das Renaissanceschloss mit seiner einmaligen Fassade.

Die Wawel-Kathedrale in Krakau

Den zweiten Teil der Reise übernachteten die Reiseteilnehmer im sehr schön renovierten Schlosshotel „Palac Izbicko“ in Stubendorf östlich von Oppeln. Auch von hier aus unternahm die Gesellschaft mehrere interessante Ausflüge. Zuerst ging es nach Krakau, wo die Ausstellung „Untergegangener Wawel“ direkt in die mittelalterliche Geschichte der Stadt und ihrer piastischen Burg führte. Doch auch während der Besichtigung der Wawel-Kathedrale und beim Stadtspaziergang konnten die Reiseteilnehmer genug Spuren der hier bis 1370 regierenden Piastenkönige, insbesondere von Kasimir dem Großen, finden.

Die Reisegruppe vor dem Adlerhorst in Bobolice

Ein weiterer Ausflug ging nach Tschenstochau, denn das dortige Paulinerkloster ist eine Gründung des oppelner Piastenherzogs Wladislaus II. aus dem Jahre 1382. Hier besuchte die Gruppe den Klosterkomplex und insbesondere auch das Bild der Schwarzen Madonna, beides Stiftungen des o.g. Herzogs von Oppeln mit einer sehr bewegten Geschichte. Zuvor besuchte die Gruppe auf dem Weg nach Tschenstochau jedoch bereits den „Adlerhorst“ in Bobolice, eine polnische Burg, die sich 1370-91 ebenfalls im Besitz des o.g. oppelner Herzogs Wladislaus II. befand. Der polnische König Kasimir der Große ließ diese Grenzfestung gegen Schlesien und das Königreich Böhmen in der Mitte des 14. Jahrhunderts errichten, nachdem er 1335 für immerwährende Zeiten auf Schlesien verzichtet hatte, so dass dieses Land damals endgültig unter die Krone Böhmens kam.

Die Veranstalter auf dem Piastenturm in Oppeln

Der letzte Tag der Reise auf den Spuren der schlesischen und polnischen Piasten führte dann nach Oberschlesien, wo die beiden ehemaligen Piastenresidenzen in Ratibor und Oppeln besucht wurden.  In Ratibor wurde das alte – gerade in den letzten Jahren aber schick renovierte – Schloss der Piasten besucht und ein Stadtrundgang gemacht, in Oppeln ging es zu den Grablegen der oppelner Piasten in der ehemaligen Franziskanerkirche sowie zur modernen Grablege des letzten oppelner Piasten, Johann dem Guten, der im Jahre 1532 verstarb. Seine Grabplatte wurde ihm erst im Jahre 1999 von den Bürgern der Stadt Oppeln gestiftet. Wie die Reiseteilnehmer so deutlich feststellen konnten, ist die piastische Geschichte Schlesiens für die heutige polnische Bevölkerung von besonderer Bedeutung, da sie ihnen ein identitätsstiftendes Merkmal vor Ort bietet. Stattdessen ist die piastische Geschichte in Kleinpolen – Krakau wie Tschenstochau – in den Hintergrund der späteren polnischen Herrscherdynastien getreten.

Ein besonderer Abschluss der Reise bildete die Besteigung des neu renovierten Piastenturms in Oppeln. Bei schönstem Wetter konnten die Reiseteilnehmer den Blick auf die kleine Odermetropole genießen. Insgesamt war die Reise für die Teilnehmer ein Eintauchen in die mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte Schlesiens und Kleinpolens. Aufgrund des regen Interesses werden die Veranstalter sich bemühen, auch in Zukunft wieder historische Studienfahrten nach Schlesien zu organisieren.

Anschrift:

Prof. Dr. Ralph M. Wrobel


Martinskloster 13
99084 Erfurt
DEUTSCHLAND

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